1941 – 2023
Am 28. Juli 2023 ist unser politischer Weggefährte Dr. Hermann Wollner verstorben. Mit ihm verliert der Berliner Wassertisch einen leidenschaftlichen Vordenker, unermüdlichen Aktivisten und streitbaren Menschen. Kritischer Geist und Analysefähigkeit prägten seine Arbeit. Ein tiefes ökologisches Bewusstsein gepaart mit scharfem Verstand ging stets den Ursachen auf den Grund; präzise wissenschaftliche Datenanalyse sowie unbürokratisches, pragmatisches Handeln wirkten bei ihm zusammen. So ging er ökologische und andere Missstände konsequent an.
Als promovierter Agrarökonom brachte er nicht nur fundiertes Fachwissen in unsere Arbeit ein, sondern ein Bewusstsein für die Lebensgrundlagen unserer Stadt. Nach seinem Studium in Leipzig führte ihn sein Weg zu einer Auslandsaspirantur nach Kuba und als Fachmann für internationalen Außenhandel nach Angola, Indien, Nigeria und Nicaragua. Bis 2004 erprobte er als Technologiebroker Photovoltaikpumpen in den Trockengebieten Marokkos. Aus diesen weltweiten Erfahrungen schöpfte er das Vertrauen, dass Menschen sich durch kluge technologische Anpassung und lösungsorientierte Speichersysteme gegen extreme Klimata behaupten können. Er kämpfte nicht nur für das Berliner Wasser, sondern für eine gerechte, nachhaltige und lebenswerte Stadt.
Den Berliner Wassertisch und den Berliner Wasserrat hat Hermann über viele Jahre hinweg bereichert; als Referent und durch investigative Recherche trug er maßgeblich zum Gewinn neuer Erkenntnisse bei. Sein Name bleibt untrennbar mit zukunftsweisenden Konzepten der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung verbunden. Mit seinem großen Herzensprojekt „Regen zu Baum“ hat er visionär gezeigt, wie Berliner Stadtklimaschutz und Umweltschutz Hand in Hand gehen können. Er machte unmissverständlich klar, dass sauberes Dachregenwasser eine kostbare Ressource ist, die direkt in den Wurzelraum vertrocknender Stadtbäume gehört, statt ungenutzt in der Kanalisation zu versinken.
Auch im Kampf gegen starre Verwaltungsstrukturen brachte er sich aktiv ein. Dr. Wollner stritt leidenschaftlich für ein ökonomisch durchdachtes, gestaffeltes Bonus-Malus-System („Wasser zahlt Wasser“), um Hauseigentümer für die Rettung von Stadtbäumen finanziell zu belohnen und zerstörerische Großversiegeler in die Pflicht zu nehmen. Er drängte auf die notwendige Novellierung des Wassergesetzes und der Bauordnung, um die rechtlichen Hürden zwischen privaten Grundstücken und dem öffentlichen Straßenraum zu beseitigen. Selbst als ihm ein Hirntumor die Kräfte raubte, ließ er sich nicht aufhalten: Seinen letzten Vortrag im Mai 2023 hielt er – aus dem Hospiz angereist – vor vollem Haus. Unter großem Applaus machte er klar, dass seine Krankheit zwar seinen Körper schwäche, sein ökologisches und demokratisches Bewusstsein jedoch bis zum Schluss unantastbar bleibe.
Wir denken dankbar an seine Klugheit und Tatkraft, werden Hermann ein ehrendes Andenken bewahren und sein Erbe in unserem gemeinsamen Kampf für das Wasser weiterführen.
In stillem Gedenken,
Der Berliner Wassertisch
Der Berliner Wassertisch

