IFG in der Diskussion - Der Gesetzestext

Am 8. Juli 2010 beschloss das Abgeordnetenhaus eine Novelle des Informationsfreiheitsgesetzes. Damit, so heißt es in der Begründung, „greift das Abgeordnetenhaus von Berlin ein wesentliches Anliegen des Volksbegehrens ‚Schluss mit den Geheimverträgen – Wir Berliner wollen unser Wasser zurück‘ auf“. Ende Januar 2010 hatten die Fraktionen von SPD und Die Linke im Abgeordnetenhaus den ersten Entwurf zur Änderung des Berliner Informationsfreiheitsgesetztes vorgelegt (Drucksache 16/2939). Am 1. Juli 2010 nahm das Abgeordnetenhaus die Novelle mit vielen Änderungen an, die in Drucksache 16/3340 dargestellt sind. Wir dokumentieren hier beide Texte sowie die angenommene Gesetzesänderung.

IFG in der Diskussion - Alexander Dix

Vor der Verabschiedung der IFG-Novelle schlug Dr. Alexander Dix, der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, zahlreiche Veränderungen am Text vor. Nur wenige Formulierungen fanden Eingang in den verabschiedeten Text.

IFG in der Diskussion - Heidi Kosche

Die Abgeordnete Heidi Kosche (Bündnis 90/Grüne) hält die Interpretation, dass die im Informationsfreiheitsgesetz angesprochenen Nachverhandlungen nur das Ziel hätten, die Verträge „in eine für die Öffentlichkeit geeignete Form zu bringen“, für nicht haltbar. Sie macht ihre Position in einer Erklärung deutlich. Ihre grundsätzliche Haltung zum IFG legte die Abgeordnete in einer Rede anläßlich der Verabschiedung der Gesetzesnovelle am 2. Juli 2010 im Abgeordnetenhaus dar.

IFG in der Diskussion - Transparency International Deutschland

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland begrüßt die durch das Volksbegehren des Berliner Wassertisches angestoßene und im Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedete Novellierung des Berliner Informationsfreiheitsgesetzes (IFG). Sie hält zur Wasserprivatisierung fest, dass hier bei einer Veröffentlichung das Informationsinteresse das schutzwürdige Geheimhaltungsinteresse des privaten Vertragspartners nicht nur „überwiegen“, sondern „erheblich überwiegen“ muss. „Es wird sich daher erst zeigen müssen, ob sich diese Regelung in der Praxis bewährt“, schreibt Transparency.

IFG in der Diskussion - Benedict Ugarte Chacón

Fazit des Beitrags im MieterEcho: „Doch selbst wenn es zu Auseinandersetzungen um die in der Vergangenheit geschlossenen Privatisierungsverträge kommen sollte, eines hat die rot-rot-grüne Kompromiss-Koalition klar gestellt: In Berlin wird in Zukunft transparent privatisiert.“



Sand in die Augen der Öffentlichkeit - Stellungnahme 23.06.2010

Die Novellierung des Berliner Informationsfreiheitsgesetzes führt nicht zu einer vollständigen Offenlegung der geheimen Wasser-Verträge. In der öffentlichen Berichterstattung über die Novellierung des Informationsfreiheitsgesetzes wird der Eindruck vermittelt, mit der Neufassung des IFG könne das Volksbegehren „Wassertisch“ als „faktisch erledigt“ angesehen werden (so von der Berliner SPD-Fraktion Sven Kohlmeier und Michael Müller). Gerade vor dem Hintergrund des bevorstehenden Landesparteitags der SPD gilt es, die Novelle mit dem Gesetzestext des Volksbegehrens genau zu vergleichen. Dann wird klar, dass Behauptungen in den Raum gestellt werden, die nur einen Zweck erfüllen: Kurz vor dem SPD-Landesparteitag den Parteimitgliedern und kurz vor dem Start des Volksbegehrens der Berliner Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen.